Grossmühlingen - ein typisches Bördedorf

Kossathenhof 6

(= Nr. 31 des Reineckeschen Verzeichnisses de 1674)
(=Hausnummer 6 im Jahre1908).

Es läßt sich aus dem Schöppenbuch und aus den Kirchrechnungen nicht ersehen, wer 1585-1651 diesen Hof besaß. – Die Größe des Hofraumes und des dazu gehörigen Gartens läßt vermuten, daß zu Hof 6 ein westlich davon gelegener Hof gezogen u. mit ihm zu einem einzigen im Lauf der Zeit verbunden wurde.

K V. 1651 1663
(1) Hans Schlüter † 1682 (Pest) ~ Trine... † 1671. Die Familie Schlüter wird vor dem 30j. Kriege nicht als ansässig in Gr. Mühlingen genannt. Dagegen gab es einen Claus Schlüter 1612 in Biere und einen Caspar Schlüter 1629 und einen Hans Schlüter 1664 in Zens (cf. Schöppenbuch). Hans Schlüter besaß 1654 22 1⁄2 Mg. Acker; er hielt 1651 Bienen; seine Magd ist 1674 erwähnt. Kinder: 1. Trine (= Catharine);– Pathe 1660 (T. R. 1660, 4) ~ (2)

(2) Schneidermeister Hans Moritz † 1682 (Pest) ~ Catharine geb. Schlüter; er ist der “Eidam“ Schlüters 1674 genannt u. war damals als Hausgenosse wohnhaft in Hof 6. Kinder: 1. Jacob * 1660; † 1682 (Pest); Knecht bei Kuhlmanns Wwe auf Hof 30; † 1682. 2. Susanne * 1663; † 1682 (Pest) 3. Friedrich * 1669; – 4. Trine * 1669; † 1682 5. Peter * 1672; † 1682 6. Christian * 1676; † 1682 die letzten 3 Kinder starben 1682 an der Pest.

K V. 1689.
(3) Hans Querhammer aus Löderburg † 1722 ~ Margarethe Krüger † 1727; er ist anfangs Miethseinwohner, später Kossath auf Hof 6. Bei diesem Hof war 1⁄4 Hufe Pfarrlehen, von der Pastor Reinecke in seinem Bericht 1692 sagt: „jetzo von der Hochfürstlichen Herrschaft gekauft.“ Kinder: 1. Caspar * ...; Schneider; Pathe 1703 (T. R. 1703, 16) 2. Martha * ...; ~ 1707 (4) 3. Friedrich * 1686; († 1686?) 4. Augustin * 1692; – 5. Christian * 1692; – 6. [Hans * ...; Musketier; Vater eines unehelichen Kindes 1718; ist wahrscheinlich ein Sohn des Kossathen Hans Querhammer, der 1718 „senior“ genannt ist. (T. R. 1718, 9)] 7. Anna Margarethe *...; Pathe 1705, 9 (T. R.). 8. [Bastian Querhammer ~ Magdalene Zückner (R. R. 1702), ist wahrscheinlich ein Sohn des Hans Querhammer.] Kossath Hans Querhammer übergiebt seinen Hof 6 an seinen Eidam (4) (St. Reg. 1722, 4) vor seinem Tode. „Er hat bis an sein Ende ein christlich Leben geführt.“

K V. 1717
(4) Johann Heinrich Küster † 1752, Schneidermeister aus Welsleben ~ 1697 Martha Querhammer † 1719. Er kauft vor 1717 Hof 13 b u. 1⁄4 Hufe Pfarrlehen von Hof 13 b; bis 1724 besaß er Hof 13 b; den Männerstuhl zu Hof 13 b (= Nr. 106) bezahlt er erst 1739 für die Zeit bis 1724 (cf. K. Stuhl Reg. sub Männerstuhl Nr. 106) (cf. sub Hof 13 b). „Er war bei Fürst Anton Günther hier Lakai und Schloßsänger gewesen (Sintenis Acc. Buch 1779, 44); wahrscheinlich leitete er den Gesang bei den Gottesdiensten in der Schloßcapelle 1705-1714. Er ist wohl identisch mit Johann Heinrich Küster, der 1727 Schenke in Edderitz ist; 1734 war er wieder hier wohnhaft (T. R. 1727, 10). – Er kaufte das Zimmermeister Ottosche Gehöft u. bezahlte dessen Männerstuhl Nr. 18 mit 1 Thaler 1739; wahrscheinlich lag dasselbe zwischen Hof 23 und 24 auf der ehemaligen Torgauschen Rittergutsstätte. (cf. sub Hof 24 a). Seine Schwiegermutter auf Hof 6 hinterließ genug, als sie 1727 starb, wurde aber trotzdem schlechtweg begraben (St. R.). Kinder: 1. Hans Jacob * 1699. – 2. Elisabeth Margarethe * 1699; – 3. Hans * 1701; – 4. Anna Elisabeth * 1704; ~ 1736 Kossath Buhlmann † 1741 (5); ~ 1742 Kossath Dannenberg (6) 5. Johann Christoph * 1708. – 6. Sabine Luise * 1712; – 7. Johann Heinrich * 1716; Badergesell; † 1738. 8. Johann Christian * 1719; † 1719. J. H. Küster, Wwr † 1752 ~ 1744 Wittwe des Kossathen Jacob Schulze auf Hof 28, Anna geb. Nagel † 1751.

K V. 1740
(5) Kossath und Rademacher Johann David Puhlmann † 1741 aus Calbe a. S. ~ 1736 Anna Elisabeth Küster * 1704. Dieselbe heirathet 1742 wieder (6). Kinder: 1. Heinrich Carl Puhlmann (fehlt im T. R.); Maurer; ~ 1765 Radge, Einwohnerstochter aus Frohse. 2. Johanne Sophie Elisabeth * 1739; – 3. Johann Christian * 1740; † 1741 Stiefgeschwister dieser Kinder siehe sub (6)

K V. 1746.
(6) Kossath und Radmacher Johann Heinrich Dannenberg *1715 † 1803, 87 J. alt, Ackermannssohn aus Hecklingen ~ 1742 Wwe Anna Elisabeth Puhlmann geb. Küster * 1704, † 1779. Sintenis nennt ihn Großkossath und “Nachbar“ (Acc. Buch 1773, 47; 1779, 43); er erblindete im Alter (Sintenis, Acc. Buch 1791, 28, 1803, 31). Kinder: 1. Anna Justine Dannenberg * 1744; † 1748. 2. Anna Elisabeth * 1745; ~ 1782 Wwr Schneider u. Häusler Johann Andreas Krappe im Freihaus (= Hof 24 b?) 3. Johann Gottlieb * 1747; † 1792. Als Wwr. blieb wohl J. H. Dannenberg bis an sein Lebensende im Kossathenhof 6 als Auszügler wohnen. Er schuldet der Fürstl. Kammer aus der 1769 repartirten Dohna-Wedellschen Kriegscontribution (I, 130 c) zu Weihnachten 1775 10 Thaler Capitalquote u. 18 Gr. (5%) Zinsen.

K V. 1794.
(7) Johann Gottlieb Paul, Kossat u. Ölschläger, † 1811, 45 J. alt (Sint. Acc. B. 1798, 40), Halbspännersohn von Hof 7, Halbhufer ~ 1793 Marie Dorothee Schwarz, † 1828, 52 J. alt, Pächterstochter aus Neundorf; ~ 1811 Kossath Johann Andreas Ziehm. (8) Kinder des J. G. Paul ~ M. D. Schwarz 1. Johann Gottlieb * 1794; † 1797; ertrank im Gartenloch von Hof 5 (Sintenis, Acc. Buch 1797, 15). 2. Anna Christiane Dorothee * 1796; ~ 1820 Kossath Blume in Biere. 3. Johann Samuel David * 1798; † 1801 4. Marie Dorothee Elisabeth * 1801 ~ 1823 Zimmermann Becker hier, eines Häuslers Sohn. 5. Marie Catharine * 1804; ~ 1832 den Wwr Kossath Bock in Eggersdorf. 6. Catharine Justine Dorothee * 1807; † 1807. 7. Christian Andreas Gottlieb * 1808; ~ 1832 (9) Stiefgeschwister siehe sub 8.

K V. 1813.
(8) Kossath Johann Andreas Ziehm † 1852, 66 J. alt ~ 1811 die Wwe Marie Dor. Paul geb. Schwarze † 1828. Er war aus Salze, eines Ackermanns Sohn. Er war Ölschläger. Kinder: Ziehms auf Hof 6 ~ Wwe Paul geb. Schwarze 1. Johanne Marie Elisabeth * 1812; † 1830. 2. toter Sohn * 1817. – Als Wittwer heirathete J. A Ziehm † 1852, 66 J. alt, 1831 die Wittwe des hiesigen Jägers auf dem Amte Ca. Sophie Dockhorn geb. Knobbe * 1786, † 1877 als Auszüglerin, im Haus mit der Nummer 14 (im J. 1908). Ziehm starb als Kossathen-Auszügler, d. h. er bezog einen Auszug aus Hof 6. Er besaß seit 1832 2 1⁄2 Mg. Wandelacker, die August Dockorn 1857 mit 2 Mg. u. 127 Quadratruthen besaß.

(9) Kossath Christian Andreas Gottlieb Paul * 1808; † 1853 ~ 1832 Catharina Elisabeth Stephan * 1810 † 1895, Kossathentochter aus Förderstedt. Er war 1841-1847 Gemeindeschenke. Der Hof 6 hatte 1846 3⁄4 Hufe Dienstacker u. 3 Morgen Wandelacker (= erblich freier Acker) = 26 Mg. 15 Quadratruthen im J. 1857. Kinder: 1. Johann Andreas Gottlieb * 1833; ~ 1869 (10) 2. Dorothee Elisabeth * 1835; ~ 1861 Kossath u Fleischer Friedr. Wilhelm Frauenlob (jetziges Gehöft 109) 3. Friedrich Christoph Gottlieb * 1838; † 1845. 4. Johann Andreas August * 1840; † 1845. 5. Friedrich Wilhelm * 1842; Grubenschmied; ~ 1872 Brösel, Fabrikaufsehers Tochter; ~ 1875 Matthe † 1904, Häuslertochter aus Kl. Mühlingen. Er besaß Haus Nr. 110 (pro 1908). Er zog als Wittwer zu seiner Tochter Agathe ~ Albrecht u. wohnt jetzt in Erfurt, wo er 1910 starb. 6. Johanne Luise Dorothee * 1843; ~ 1865 Bäcker Dehnicke in Biere. 7. Johanne Catherine Christiane * 1846; ~ 1869 Kossath Gottlieb Bethge auf Hof 21. 8. Christian Martin Carl * 1850. –

(10) Kossath Johann Andreas Gottlieb Paul * 1833, † 1895 ~ 1869 Dorothee Elisabeth Bethge *1843; † 1921 hier, Kossathentochter von Hof 21 (zuletzt wohnhaft bei ihrem Schwiegersohn Dockhorn). Kinder: 1. Gottlieb Wilhelm August Herrmann * 1870; † 2. Hermine * 1870; † 1878. 3. Wilhelm Christian Gottlieb * 1871; † 1872. 4. Pauline * 1874; ~ 1901 Schlossermeister Dockhorn (Haus Nr. 14 pro 1908, später im Haus Nr. 262 a) 5. Gottlieb Richard Otto * 1878; Volksschullehrer in Güsten; ~ ca. 1907 Clara Grey aus Magdeburg. 6. Berta Elise * 1879; ~ 1906 Locomotivführer Max Wiedemann in Bukau.

Die Wwe Paul geb. Bethge bewohnt Gehöft 6; nachdem sie den Acker lange verpachtet gehabt hatte, hat sie ihn um 1904 verkauft. Das Gehöft 6 verkaufte sie 1912 an den Dachdeckermeister Wilh. Schulze. Sie zog zu ihrem Schwiegersohn, den Schlossermeister Dockhorn (Haus Nr. 262 a pro 1912). Dachdeckermeister W. Schulze baute 1912 ein neues Wohnhaus.

 

Die Ergänzungen der Familiengeschichte der einzelnen Besitzer nach dem Ende der Aufzeichnungen Friedrich Looses bis zur Gegenwart finden Sie im pdf-Dokument zum Hof. Auf dieser Seite oben.

 

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