Grossmühlingen - ein typisches Bördedorf

Hof Nr. 4 a

(des Planes pro 1674)
=Nr. 33 des Reineckeschen Verzeichnisses de November 1674.
=Hausnummer 4 im Jahr 1908.

Bei diesem Hofe ist bereits 1585 1 1⁄2 Hufen Kirchenacker (Erbpacht) gewesen, die bis zur Parzellirung dieses Hofes dabei geblieben ist. Sein Besitzer scheint außerdem schon 1585 1⁄2 Hufe Kirchenacker genutzt zu haben, wofür er 1⁄2 Hufe Kirchenacker pflügte, bestellte (excl. Saat) und das Getreide davon zur Erntezeit in die Gotteshausscheune fuhr. (cf. unten) Diese in Sa. 2 Hufen K Acker blieben bei Hof 4 a. 1654 gehörten zum Hof 146. Mg. (incl.2 Hufen von der Kirche u. Pfarre). Der Hof war einst ein Halbspännergut gewesen.

(1) Andreas Bock 1585 ff. zahlt den Ackerzins für 1 1⁄2 Hufe; Schöppe; stirbt 21. Juli 1596; er hatte 1590 den Hof seinem Sohn Andreas (2) auf Zins gegeben auf 9 Jahre (=1599). Seine Wittwe überlebt ihn (2. Frau) u. heirathet den Thom. Wereitz in Eggersdorf.

(2) Andreas Bock, jun. zahlt den Ackerzins für 1 1⁄2 Hufe 1590-1594. Er ist 1590 verheirathet mit Gnese Nagel von Hof 18. Sein Vater hatt ihn den Hof nur auf Zins (=jährliche Pacht) überlassen bis 1599.

(3) Die verwittwete Gnese Bock geb. Nagel macht mit Junggesell Kuno Bertram tot 1638 dem Sohn des P. (Richters von Hof 24) am 3. August 1595 eine Ehestiftung „durch Verhandlung ehrlicher Leute und Bewilligung beiderseitiger Freundschaft und Gottes Schickung“ ist es zum Verlöbnis beider gekommen. Dem Bräutigam wird von seinem Vater zur Ehe versprochen: 100 Thaler zur Aussteuer, 1 Bett, 1 Hauptstuhl, 1 Kissen, 1 Paar Bettlaken, 1 Tischtuch, 1 Handquele; wenn aber Kuno Bertram ohne Erben sterben sollte, soll seine Wittwe 10 Thaler dessen Brüdern herausgeben, das andere aber für sich behalten; es will auch der Richter P. Bertram seinem Sohn die halbe Hochzeit ausrichten. – Die Wittwe (Braut) begiftigt ihren Bräutigam mit dem, was sie zu eigen hat; stirbt sie ohne Erben, so soll ihr sie überlebender Mann 40 Thaler ihrer Freundschaft (=Verwandtschaft) herausgeben; sie hat auf dem von ihrem verstorbenen Mann um gebührlichen Zins vom Vater angenommenen Gut noch etliche Jahre zu wohnen (bis 1599); stirbt sie vor Ablauf dieser Zeit (=vor 1599), so soll von Kuno Bertram die Zeit ausgehalten werden; 1599 sollen dann die Erben des Andreas Bock sen., der 3. August 1595 noch lebte, das Gut (Hof 4 a) wieder einnehmen. Diese Ehestiftung wurde auf dem Gerichtstag Mittwoch nach Catharinen 1595 ohne Einspruch ausgerufen. Als Andreas Bock sen. ( in Hof 4 a) am 21. Juli 1596 gestorben war, wurde sein Gut, welches Kuno Bertram und Gnese geb. Nagel als Pächter bewirtschaftete, inwetirt am 24. September 1596. Die Schöppen taxirten alles nach seinem Geldwerth folgendermaßen: Haus und Hof = Gebäude, Hofraum u. Hausgarten 400 Thaler. 7 Morgen Weizen (=Ernte davon) 24 1⁄2 Thaler 17 Morgen Roggen (dito) 51 Thaler 30 Morgen Gerste (dito) 90 Thaler 46 Morgen Hafer (dito) 92 Thaler Sa.: 100 Morgen. ca. 50 Morgen waren Brachland. Diese ca. 50 Mg. waren hier spanndienstpflichtiger Acker, hier Zehntacker (cf. Salbuch 1654) incl. 1 1⁄2 Hufe und 1⁄2 Hufe Kirchenacker. 6 Pferde á 18, 10, 22, 20, 20, 14 Thaler Das Rindvieh ist den 4 Kindern ingleichen zugeteilt: je 1 melkende Kuh und 1 dreijährig Sterzchen; bleiben im Gut (Hof 4 a) 2 zweijährige Sterzche á 5 Thaler taxirt. Schweine: 2 Säue Sa. 5 Thaler – 6 Stück 1 3⁄4 jährige Schweine Sa. 9 Thaler – 7 Stück einjährige Schweine Sa. 7 Thaler – 4 Schweinchen Sa. 2 Thaler – 15 Enten Sa. 22 1⁄2 Groschen. 1 Schock Hühner Sa. 3 Thaler 18 Gr. Geschirr zu den Pferden (Kummet, Riemen, Zügel) Sa. 4 1⁄2 Thaler 1 Maulkorb 4 Gr. – 1 großen u. 1 kleinen Wagen nebst Zubehör 14 Thaler – 1 Wagenkette 1 1⁄2 Thaler – 6 Eggen, 2 Pflüge, 3 Pflugeisen 1 Sark (einer Art Hacke?) Sa. 6 Thaler– 3 Mistgabeln 6 Groschen. – 3 Schüttharken (=mit langen eisernen Zinken, die Stoppel zu harken, um sie im Winter im Ofen zu brennen) 6 Gr. – 1 Walze 10 Gr. 6 Pfennig, – 1 Stiegleiter 5 Gr. – 1 Schlachttisch 3 Gr. – 4 Schweinetröge und 1 Tranktrog 1 Thaler 6 Gr. Im Hause: 1 Kessel 10 Eimer fassend, 1 Kessel 6 Eimer fassend, 3 kleine Fischkessel, 2 eiserne Töpfe Sa. 8 Thaler – 23 hölzerne Schüsseln 6 Gr.; 17 glasirte Schüsseln 5 Gr.; 43 Teller 2 Gr. (=hölzerne Scheiben); 9 Mulden 12 Gr.; 11 Säcke 1 Thaler 20 Gr. – 1 alter Tisch mit Schloß 18 Gr. – 3 Schoßbänke 6 Gr. (=Fußbänke), 1 Spindel- Bank 6 Gr. (=Fensterbank) – 13 Lepeln (=Löffel) 12 Gr. – 1 klein u. 1 groß Speise-Sad 2 Thaler (Speiseschüssel?) – 2 Stannen (=?) 18 Gr. – 1 Schrotfaß 21 Gr. (wo das geschrotene Korn als Viehfutter aufbewahrt wurde) – 6 Eimer 9 Gr. – 12 Löffel 6 Pfennige – 1 Hacke-Klotz 4 Gr. – 3 Söhen (=?) 8 Gr. – 2 Dreifüße 9 Gr. (in die Grundmasse zu stellen) – 1 Bettspund 14 Gr. (das große Himmelbett scheint zum Haus unzertrennlich gehört zu haben, ebenso wie der große Tisch in der Stube, daran gegessen wurde und der Milchschrank mit Brotschrank darunter, und die Bänke an den Stubenwänden) – 13 Milch-Döbchen.(=.Kleine Tubchen?) 9 Gr. 9 Pfennig – 14 bretterne. Büchsen (Butter hineinzuthun, um darin Butter mit auf das Feld u. die Reise zu nehmen?), und 13 Käsenäpfe (aus Blech mit Löchern) 2 Gr. – 2 Kohlfässer 12 Gr. (für sauren Kohl) – 1 Dinen (=großes Faß zum Waschen etc.) 4 Gr. – 12 Butterfösgen 5 Gr. (=Butterformen?) – 2 Döbben (=Tubben, Fässer) 2 Gr. 6 Pfennig – 3 Braken 9 Gr. (=den Flachs zu brechen); 3 Schwingelböcke (=den Flachs zu reinigen durch Abschwingeln der Rindenteile) 2 Gr. 3 Pfennig; 2 Hecheln 6 Gr. (=den Flachs noch einmal von Rindenresten zu reinigen) – 2 alte Backtröge 6 Gr. – 1 Käsebank 9 Gr. – 1 Milchsiebchen 6 Pfennig – 1 Butterfaß 6 Gr. – 1 Milchrad 12 Gr. (= ein Schüssel für Milch?) – 1 Wasch- und Scheuerfaß 12 Gr. Sa. 845 Thaler 7 Groschen. Kuno Bertram wurde 1596 Schöppe; 1599 zog er mit seiner Frau nach Gattersleben. Er hatte den Ackerzins an die hiesige Kirche letztmalig pro Martini 1598 bezahlt. 1627 lebt er noch; 1638 wurden seine Erben in Gattersleben erwähnt.

KV. 1618.
(4) Nachwirth und Eigentümer Hans Bock, Sohn des 1596 verstorbenen Andreas Bock sen.; er nahm das Gut kaufweise an für 845 Thaler 7 Gr. (von seinen 4 Geschwistern); sein Bruder Moritz Bock war in Eggersdorf ansässig geworden u. hatte erst im Jahre 1612 seinen Anteil an jener Summe vom Bruder voll ausgezahlt erhalten. Es war dazumal schwer, Geld selbst aus einem so großen Gut wie Hof 4 a zu erübrigen. – Hans Bock zinst für 1 1⁄2 Hufe Kirchacker 1599-1623. Seit 1617 ist Hans Bock (Hof 4 a) Schöppe. Die Wwe. des Hans Bock zahlt den Zins für den Kirchenacker 1624-1635; sie kauft 1825 1/3 Hufe von 5/4 Hufe erblich, welche der Gnese geb. Nagel verehelichte Kuno Bertram, in Gattersleben wohnhaft, gehörten u. welche diese zum väterlichen Hof 18 erhalten hatte.

(5) Andreas Winter zahlte 1641 „auf Abschlag den Bockschen Erben für ausstehende Kirchenzinsen an 3 Scheffel Hafer 1 Thaler 3 Gr.“ (K R. 1641).

KV. 1646
Winter (Andreas) (auch Wintzer genannt) ~ ... Bock (ob ein Sohn der Wittwe des Hans Wintzer hierselbst, die in der K R. 1631 erwähnt ist?) Zum Hof gehörten 1654: 100 Mg. in Mühlinger Flur, 19 Mg. in Kl. Ackendorfer Flur und 3⁄4 Hufe in Barsdorfer Flur incl. 2 Hufen von der Kirche Sa. ca. 140 Mg. Kinder : 1. Jacob ~ 1677 (6) 2. Agneta * ...; Pathe 1671 (T. R. 1671, 8). 3. Marie ~ 1663 Matthias Pfannschmidt in Eickendorf. 4. Magdalene *...; Pathe T. R. 1665, 2.

KV. 1681
(6) Jacob Winter ~ 1677 Catharine Fischer † 1692 aus Eggersdorf Kinder: 1. Joachim * 1678; – 2. Gottfried * 1680; – 3. Magdalene * 1681 eins dieser Kinder starb 1682 an der Pest. 4. Hans * 1683; † 1683. 5. Magdalene * 1686; (=† 1686?) 6. Johann Jacob * 1687; – 7. Catharine Gertrud * 1690. In der Pest 1682 stirbt außer 1 Kind Winters eine Magd. – Im Jahre 1682 räumt J. Winter den Schulgartengraben für Lohn (KR.). Sintenis Chron. I erwähnt, J. Winter sei ein schlechter Wirth gewesen. Nach dem Tode seiner ersten Ehefrau heirathet J. Winter in 2ter Ehe 1693 die Gertraud Sauerborg (7), stirbt aber schon 8 Tage nach der Hochzeit. Von seinen Kindern scheint keines am Leben geblieben zu sein.

KV. 1700
(7) Johann Samuel Eichel *1668 † 1755, Sohn des ehemaligen hiesigen Schulmeisters Eichel, Stiefsohn des Halbspänners Hoppe auf Hof 30 (cf. sub Küsterei Gehöft 43 u. sub Hof 30) ~ 1693 Wwe. Gertrud Winter geb. Sauerborg † 1749. Er tauschte 1697 2 Morgen „Kricke“ = 3 Mg. 43 Quadratruten (1846) lt. Separ.-Receß. (= an der Biegung der Straße nach Eggersdorf) vom Amt ein, ohne Gartenrecht daran zu erlangen (=.Umzäunungsrecht) (Sintenis Chr. I, S.88). An der Südseite dieser 2 Mg. (=Nordrand der heutigen Ritterstraße) lief ein Graben, an dessen beiden Ufern alte Weiden 1812 standen (Gemeinde-Acten). Er wurde 1693 Schöppe; 1722 bis an seinen Tod 1755 war er Richter. Kinder: 1. Susanne * 1694 ~ 1715 Hagedorn, Ackermannssohn in Gr. Schierstedt. 2. Marie Catharine * 1695 († 1761?) 3. Magdalene * 1697. – 4. Johann * 1698. – 5. Joachim Christian * 1700, ~ 1726 A. M. Nagel, Freisassentochter von Hof 1; später Pächter in Mosigkau. 6. Margarethe * 1703; ~ 1724 Pfannenschmied Bode in Salze. 7. Anna * 1706 ~ 1726 Schmiedemeister Bauermeister (Hof 37) 8. Johann * 1708; † 1708. 9. Daniel Andreas * 1713 ~ (8) 10. Anna Elisabeth * 1710 ~ 1738 Wittwer Noah (Hof 12) 11. Anna Sophie * 1717; † 1720. 12. Friedrich Christoph * 1719; † 1723. Er hat 1744 den Vertrag geschlossen: die Hälfte von 1 Hufe Schulacker zu bestellen u. dafür die andere Hälfte dieser Hufe zu nutzen (cf. sub Gehöft Schule-Hof 43). Dieser Schulacker blieb beim Hof. Es wurde dieserhalb 1846-1850 processirt bis ein Vergleich zu Stande kam, infolge dessen der Besitzer von Hof 4 a 1853 1200 Thaler Abfindungssumme bezahlte u. gen. Acker zu eigen behielt. (cf. Sintenis Chr. I, S. 93; Ablösungs-Acten der Pfarre S. 11 ff; K. Rechungen 1846. 1850)

KV. 1749
(8) Vollspänner Daniel Andreas Eichel * 1713; † 1796 ~ 1744 Justine Mohrmann † 1777, Pächterstochter aus Schneidlingen. Er borgt von der Kirche 1745 400 Thaler, wahrscheinlich um seine Miterben abzufinden. Er war groß und stark. Kinder: 1. Samuel Hennig Eichel * 1745 ~ (9) 2. Johann Gottfried Christoph * 1747; Amtmann in Königsborn ~ 1771 Euphrosyne Catharine Schönjan, Vollspännerstochter aus Gattersleben; er ist 1783 Amtmann in Pöten (T. R. 1783 18), wo er am 25. Juli 1796 starb (Sintenis Acc. Buch. 1796, 20). Er ist der Urgroßvater des gräfl. Justizrates Rudolf Eichel in Berlin W 30 Gladitschstr.9. (1924 74 Jahre alt) u. des Sanitätsrates Eichel in ... 1924 3. Gertrud Regine Catharine * 1749 ~ 1770 Secretär Walter in Schönebeck. 4. Friederike Marie Christiane * 1752; † 1757. 5. Anna Catharine Margarethe * 1762; † 1763. 6. ein Söhnlein *...; † 1764. Dieser Daniel Andreas Eichel erwarb 1767 den Kossathenhof 27 mit seinem Acker (= 1⁄2 Hufe Pfarracker für 12 Scheffel Korn) u. der darauf stehende eisernen Schafe. (incl. Zins dafür an die Kirche (=Balkanscher Hof) (cf. Ablösungs-Acten der Pfarre. S. 63). – Ferner erwarb er das Kossathengut 4 b mit 22 Mg. (= 1⁄2 Hufe Kirchenacker u. 1⁄4 Hufe Pfarracker (cf. T. R. 1804, 8 „Ackermann und doppelter Kossath“) Als 1764 der Kirchenacker ca. 15 Mg. erstmalig verpachtet wurde, den die Kirche bis dahin selbst bewirthschaftet hatte, behält Eichel die halbe Hufe Kirchenacker in Nutzung, wofür er bis dahin jene halbe Hufe bestellt hatte, in dem er dafür seit 1764 jährlich 9 Thaler sogen. Pfluglohn an die Kirche bezahlte. Diese halbe Hufe ist bei Hof 4 a geblieben, bis gen. 9 Thaler schließlich 1880 abgelöst wurden. 1766 baute er eine kleine Scheune in die S. 0. =Ecke der Kricke (= an die S. W. Ecke des Gottesackers, weil er einige Jahre zuvor 1 Hufe (von Canal gekauft hatte u. sein Scheunengelaß nicht ausreichte (Gemeindeacten). Der Erbenzins, der mit 12 Gr. und 2 Pf. nach Magdeburg 1844 zu entrichten war, ruhte vermutliche auf dieser Hufe.

KV. 1780 u. 1799.
(9) Vollspänner Samuel Hennig Eichel * 1745; † 1814 ~ 1779 Marie Elisabeth Erxleben, Ackermanns- und Windmüllertochter aus Eickendorf. Sie zog wegen Zwistigkeiten mit ihrer Schwiegertochter L. C. geb. Finke (10) samt ihrer ledigen Tochter Johanne lebt noch 1853 nach 1828 nach Bernburg. – 1807 gehörten zu Hof 4 a 84 1⁄2 Mg. Freiacker u. 150 Mg. Dienstacker Sa. 234 1⁄2 Mg. (incl. 1⁄2 Hufe Schulacker). Er kaufte 1778 das Kossathengut Nr. 4 b mit 22 1⁄2 Morgen Acker. Kinder: 1. Johann Daniel Andreas * 1781; (=Ökonom in Güsten?) (T. R. 1833, 15) 2. Euphrosyne Dorothee Catharine * 1783 ~ 1804 Mühlenbesitzer Bocke in Thiessen. 3. totgeborene Tochter * 1786; – 4. Johann Gottfried Samuel * 1788; ~ (10) 5. Catharine Dorothee * 1790; † 1791. 6. Johanne Sophie Marie Elisabeth * 1797; gebiert unehelich 1825; 1853 in Bernburg. In Eichels Kossathenhof (=Hof Nr. 4 b) brach 1797 Feuer aus (Sintenis Acc. B. 1797, 8). Ein Keller lag westlich des Hauses, der 1840 verfallen war. Das Terrain desselben wurde der Gemeine 1840 überlassen (Gemeindeacten).

KV. 1831.
(10) Vollspänner Johann Gottfried Samuel Eichel * 1788 † 16.02.1842 (vergiftet) ~ 1828 Luise Charlotte Fink * 1810, Pastorentochter aus Domnitz; sie brachte außer neuer Ausstattung an Heiratsgut 500 Thaler in die Ehe und erhielt aus dem Nachlaß ihres Mannes 4000 Thaler u. für jedes Kind 50 Thaler Erziehungsgelder, die später auf 60 Thaler u. dann auf 80 Thaler erhöht sind. Dieser Gottfried Eichel soll als Junggesell eine Zeit lang Verwalter in Domnitz gewesen sein. – G. Eichel war klein von Gestalt, ein unscheinbarer Mann. Kinder: 1. Marie Caroline Eulalie * 1829 ~ 1851 Gastwirth Noack in Rathenow. 2. Auguste Mathilde Christiane * 1831; ~ 1850 Conditor Samuel in Calbe a. d. Saale. 3. Albert Julius Hermann * 1833; Hermann Eichel war 1859 in Jessen wohnhaft (bei Schweinitz) als Müllergesell. 4. Bernhard Carl Ferdinand * 1835; Bernhard Eichel wohnte 1859 in Strehlen in Schlesien. 5. August Karl Theodor *1838; war 1859 in Calbe a d. Saale wohnhaft. 6. tote Tochter *1840. Zum Hof gehörten bei Eichels Tode: in Sa. 273 1⁄2 Mg. hiervon wurden 1842 61 1⁄2 Mg. verkauft incl. das einst Balkansche Gut, welches mit 15 Mg. u. 1 Garten Moritz Salomon kaufte. G. Eichel starb ganz plötzlich u. man vermuthete im Dorf sofort Vergiftung. Seine Wittwe heirathete 1843 den Müller Crone, der einige Zeit vor Eichels Tode hier als Pferdehändler wohnte u. dann nach Eichels Tod in Biere eine Mühle kaufte; er wohnte zuletzt in Theesen b. Burg, u. ertränkte sich 1853 in der Elbe, während gegen seine einstige Ehefrau geb. Finke verwittwet gewesene Eichel der Proceß schwebte; er hatte sich von dieser 1 1⁄2 Jahr nach der Verheirathung scheiden lassen, nachdem sie ihm ein Kind geboren hatte; während der Ehescheidungsklage wohnte seine Frau geb. Fink hier. Sie zog nach der Ehescheidungsklage, in welcher Crone für den schuldigen Teil gehalten wurde, nach Gr. Salze und 1851 nach Magdeburg, wo sie sich mit dem 60 jährigen Handelsmann Schulze Brillenhändler verheirathete. Diesem offenbarte sie, daß sie ihren Mann G. Eichel unter Mitwissen von Krone mit Arsenik in der Biersuppe vergiftet habe; Schulze zeigte solches dem Gericht zu Magdeburg an; Eichels Leiche wurde in Gegenwart der Mörderin und vieler Zuschauer aus dem Dorf exhumirt, wobei Arsenikvergiftung constatirt wurde. Die erste Schwurgerichtsverhandlung fand in Magdeburg am 25. Mai 1853 statt (ein Bericht der Magdeburger Zeitung darüber vom 27. Mai 1853 Nr. 120 lag mir vor). Die Mörderin wurde mit Zuchthaus bestraft; als Gefangene soll sie ein von einem Wärter gezeugtes Kind geboren haben. Der Hof 4 a wurde nach des G. Eichel Tod verkauft.

(11) Vollspänner Simon Andreas Hasse † 1844, 40 J. alt ~ Catharine Elisabeth Walstab † 1860, 58 J. alt (verwittwet gewordene Giesau ? T. R. 1845, 29) vgl. Ablösungsacten Blatt 63). Er kauft am 8. März 1843 die Eichelschen Kirchensitze. Seine Wittwe zahlt letztmalig 1846 den Zins für 1 1⁄2 Hufe Kirchenacker. Sie verkauft das Gut 1846 an den hiesigen jüdischen Kaufmann E. M. Philipp (12) und kauft das Häuslergehöft (= Haus Nr.. 64 pro 1908) neben dem Gemeinde-Hirtenhaus; sie ist 1860 gestorben.

(12) Nachbesitzer die Ehefrau des jüdischen Kaufmanns Ephraim Moses Philipp, hier seit 1853. Er parzellirt das Gut (cf. Ablösungsacten der Pfarre de 1852). Zum Eichelschen Gut gehörten 1846 Sa. 8 Hufen, darunter Acker von 2 Kossathengütern, 2 Hufen Kirchenacker, 1⁄2 Hufe Schulacker). Ein großer Teil dieses Ackers wurde am 12. Februar 1849 an Dr. Günther (Grube Alexander Carl) verkauft. – Das Restgut 4 a (=Stammgut) mit 85 Flurmorgen 20 Quadratruten Grundstücke kaufte Christian Becker aus Wolsdorf um 1858, welcher auf Hof 30 ansässig wurde, zu welchem er die 85 Flurmorgen vom Hof 4 a schlug, während er das Gehöft 4 a an A. G. Plümecke (13) gegen das diesen bisher gehörige Gehöft 30 vertauschte. Christian Becker kaufte 1858 Kirchesitze, die zum ehemaligen Eichelschen Gute gehörten. Siehe über ihn sub Hof 30.

(13) Das Gehöft 4 a besaß seit 1856 der Halbspänner Andreas Gottlob Plümecke, der bis dahin auf Hof 30 gewohnt hatte; er brachte seinen Acker mit in Sa. 141 Mg. 65 Quadratruthen an Gehöft 4 a, während der bei Gehöft 4 a nach der Parzellirung verbliebene Stammgutsacker an Gehöft 30 kam. Über seine Eltern siehe sub Hof 30. Er war Ortsvorsteher seit April 1866. Kinder des Andreas Gottlob Plümecke, Ortsschulze 1866, † 1866 ,45 1⁄2 J. alt. ~ 1852 Marie Dorothee Hesse * 1828; † 1881, Ökonomentochter aus Frohse 1. Friedrich Jacob Louis * 1852 † 1907 ~ (14) 2. Andreas Carl Wilhelm * 1855; ~ ...; 1907 in Thale wohnhaft † 1917 3. Wilhelmine Dorothee Johanne * 1857; † um 1900 ~ Kaufmann Steinhagen † um 1907 in Schönebeck a. d. Elbe 4. Theodor Ludwig Gottfried * 1859; Landwirth; 1907 in Kahlenberg wohnhaft; 1918 in Zerbst; 2 Töchter desselben in Nutha b. Zerbst verheiratet. 5. Friedrich Gottfried *1862; † 1863. 6. Johanne Marie Elisabeth * 1864; ~ Pastor Torbeck in Fahrenholz, in Detmold als Pensionär. Die Wittwe des A. G. Plümecke verpachtete die Äcker nach dem Tode ihres Mannes, bis an ihren Tod.

(14) Friedrich Jacob Louis Plümecke * 1853; † 25. Dezember 1907 ~ 1883 Emma Gebhard *1859, Ökonomentochter aus Bleckendorf. Er baute um 1898 die Scheune neu, rechts der Thoreinfahrt; sie steht an der Südgrenze des Hofes; einst war die Thoreinfahrt an der Nordseite des Hofes, so daß damals, wie überhaupt auf den hiesigen Ackerhöfen, die Scheune gegenüber der Thoreinfahrt stand. Louis Plümecke baute einige Jahre später den großen Viehstall an der Ostseite des Hofes, u. riß zu dieser Zeit den Taubenturm in der Mitte des Düngerhaufens ein. Das jetzige Wohnhaus ist in seinem südlichen Teil alt, etwa 1720 gebaut, und hat ein niedriges Stockwerk auf massiven Erdgeschoß. Jenseits der Ritterstraße an der Südostecke des Gottesackers liegt ein kleiner Garten, wo früher eine Scheune stand; er ist bei Hof 4 a geblieben, während das übrige Land, aus dem er herausgeschnitten ist (=die 1697 von Eichel mit dem Amt ausgetauschten 2 Morgen „Kricke“), vom Hof 4 bei Parzellirung durch E. M. Philipp bzw. durch Frau Hesse anderswohin verkauft sind. Sie gehören jetzt zur Haus Nr. 8 u. heißen immer noch „die Kricke“. Kinder des Fr. Jac. Louis Plümecke * 1853; † 1907 ~ 1883 Emma Gerbhard *1859. 1. Otto *1884; Landwirth; er hat als einjährig Freiwilliger seine Militärpflicht beim Feldartillerieregiment Nr. 4 in Magdeburg erfüllt; nach Wespen verheiratet 1914, Kriegsteilnehmer. 2. Louis * 1888; Landwirth; er ist zur Zeit grüner Husar in Stendal. Kriegsteilnehmer ~ 1921 Marie Gädicke aus Klein Mühlingen. Die Witwe Plümecke geb. Gebhard bewirtschaftet seit dem Tode ihres Mannes das Gut durch ihren Sohn Otto, später durch Luis. Ackerbesitz 1919: 36,53 ha

(15) Luis Plümecke ~ 1921 Marie Gädicke aus Klein Mühlingen.

 

Hof 4 b

(des Planes de 1674).
(= Nr. 34 des Reineckeschen Verzeichnisses de 1674 = Hausnummer – 1908).

Der Hof ist eingegangen 1779.

(0?) Christoph Hase, 1⁄2 K Acker 1585/91

(1a) Heinrick Knoche tot 1592 ~ geb.? Hase, seine Wwe zinst 1592-1599 für ein 1⁄2 Hufe K Acker. Kinder: 1. Andreas Knoche auf Hof 4 b. 2. Ventz Knoche † 1616 (Hof 29). 3. Heinrich Knoche (seit 1607 auf Hof 21); 4. Thomas Knoche, Gemeindeschenke (K R. 1623) 5. Hans Knoche ( legt 1629 die Gerade seiner Frau). Wohnte in Kl. Mühlingen (Schöppenbuch).

KV 1606
(1 b) Andreas Knoche; (Sohn des sub (1 a) genannten), er giebt 1600-1635 Zins für 1⁄2 Kirchenacker, die 1592-1599 die Wittwe des Heinrich Knoche nutzte. Er hatte den väterlichen Hof geerbt (Schöppenbuch). Der Hof lag neben dem Jacob Nagelschen Hof (=3) lt. Schöppenbuch 1614. Andreas Knoche war 1620 Schöppe.

KV. 1652
(2) Nachwirth Jacob Kühne † 1670 ~ Magdalene Marggraf † 1693 (stammte wahrscheinlich aus Gr. Mühlingen). 1655 bessert er Lehmwände an der Kirche. Ackerbesitz 1654: 22 Morgen (= 15 Morgen Kirchacker u. 1⁄4 Hufe Pfarr-Pachtacker). Kinder: 1. kleines Kind begraben 1659 2. Marie ~ 1674 (3) 3. Elisabeth ~ 1683 Hans Michael Schultze (4) (T. R. 1678, 9). 4. Susanne * ; Pathe 1682 (27. Juli). 5. Peter * 1660; †

KV. 1676.
(3) Kossath Klaus Berger aus Salbke † 1682 (Pest) ~ 1674 Marie Kühne von Hof 4 b – 1⁄2 Hufe K Acker. Kinder : 1. Hans * 1675. 2. Elisabeth * 1678 3. Margerethe * 1680. 4. Hans Heinrich * 1682 sterben alle 1682 an der Pest. Im Nov. 1674 sind die Kindermutter † 1682 in Hof 38 (=Hebamme) Wwe. des Balthasar Niemann sowie deren Schwiegersohn (Schloßknecht Arbeiter) H. Müller ~ 1666 Elisabeth Niemann Hausgenossen in Gehöft 4 b. Eine andere Tochter der Kindermutter Wwe. Niemann war seit 1671 mit dem Schneider Balkan im Spielhause (Nr. 35) verheirathet. Wwe Berger geb. Kühne heirathete 1685 den Kossathen Wwr Rolf in Löderburg u. zog dorthin. Ihre Mutter blieb hier wohnen. Den Hof erhielt Elisabeth, der letztern Tochter. (4)

KV. 1686.
(4) Kossath Hans Michael Schultze † 1711/12, Kossathensohn von Hof 41 ~ 1683 Elisabeth Kühne † 1727. Er ist vicinus strostinquus Eichels (Hof 4 a) (cf. T. R. 1694, 7). 1⁄2 Hufe Kirchenacker. Kinder: 1. Hans-Jacob * 1683 ~ 1712 (5) 2. Anna Marie * 1690; – 3. Johann Christian * 1694 (6) K V. 1715 (5) Kossath Hans Jacob Schultze jun. * 1683 † 1725, (im Unterschied von Jacob Schultze auf Hof 5) ~ 1712 mit Margarethe Walstab aus Welsleben; diese ging wohl nach dem Tode ihres Mannes nach Welsleben zurück. 1⁄2 Hufe K Acker. Kinder: 1. Marie Gertrud * 1715 (identisch mit Schultzen Kind, das 1715/6 starb?)

KV. 1745
(6) Kossath Johann Christian Schultze * 1694 † 1761 (des vorgenannten S. Bruder) ~ 1732 Margarethe Bohde † 1771 (Arbeitertochter aus Eggersdorf). 1⁄2 Hufe K Acker. Kinder: 1. Johann Heinrich * 1733 ~ 1758 (7) 2. Susanne Magdalene * 1735 ~ 1759 Kossath Michel (Hof 19). 3. Johann Christian * 1743; † 1743. 4. Johann Christian * 1744; † 1744. 5. Peter Christian * 1746; † 1746.

KV. 1761
(7) Kossath Heinrich Schulze * 1733 ~ 1758 Marie Margarethe Krieg, Halbspännertochter von Hof 10. 1⁄2 Hufe Kirchenacker. Er schuldet zu der 1796 repartirten Dohna-Wedelschen Kriegscontribution (I. 130 c) zu Weihnachten 1775 immer noch 10 Thaler nebst 21 Gr. Zinsen. Kinder: 1. Johann Samuel * 1760; Pathe 1777, 23. 2. Johann Caspar * 1762; † 1766. 3. Susanne Magdalene * 1766. 4. Johann David * 1775.

(8) Den Hof 4 b mit dem zugehörigen Acker erwirbt Eichel auf Hof 4a; den K. Ackerzins zahlt er erstmalig pro Martini 1779; er kauft auf die zum Hof 4 b gehörigen Weibersitze. Am 8. März 1797 war eine Feuersbrunst im Eichelschen Kossathenhof Wahrscheinlich war die Feuersbrunst in Hof 4 b; (der Hof 27 war auch Eichel 1797 gehörig). (Sintenis, Acc. Buch 1797, 8). Allmählich ist die Hofstätte 4b ganz zur Vergrößerung des Gehöftes 4a verwendet. Alte Leute haben mir versichert, daß um 1830 noch deutlich gewesen sei, daß zwischen Hof 4 a und Hof 3 einst ein selbständiger Wirtschaftshof gelegen habe – Heinrich Schulze (sub 7) hatte um 1775 Acker, den 1654 Jacob Kühne sub (2) hatte (cf. Salbuch). cf. über die weitere Geschichte des Hofes 4 b sub. 4 a.

 

Die Ergänzungen der Familiengeschichte der einzelnen Besitzer nach dem Ende der Aufzeichnungen Friedrich Looses bis zur Gegenwart finden Sie im pdf-Dokument zum Hof. Auf dieser Seite oben.

 

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