Grossmühlingen - ein typisches Bördedorf

Die Schmiede der Gemeinde Hof 37

(des Planes pro 1674)
(= Nr. 37 des Reineckeschen Verzeichnisses de 1674;
jetzige Hausnummer 106)

Kleinmühlingen erhielt erst 1700 die erste Schmiede (Sintenis Chron. I, S. 119)

Vorbemerkung:
Den ganze Complex der Gehöfte Nr. 37-41 bezeichnet G. Reinecke als „Neustatt“. Diese
Bezeichnung war schon vor dem 30 j. Kriege gebräuchlich. Des Claus Bischof Gut in der
Neustatt wurde 1612 taxirt. (Schöppenbuch) Also nicht erst nach dem 30 j. Kriege, wo diese Gehöfte neu aufgebaut waren, wurde dieser Dorfteil „Neustatt“ genannt, sondern schon vor demselben „Vor dem Thor“. Nach der K Stuhlordnung sind diese Gehöfte nicht schon 1370 gegründet, wo so viele von andere Gehöften entstanden, sondern erst nach 1370.
Die Neustatt ist nicht schon um 1370 entstanden, wie sich aus der Kirchenstuhlordnung
ergiebt. Gehöfte in der Neustadt wurden laut Schöppenbuch als „vor dem Thor“ gelegen bezeichnet. So auch noch 1798 das Grubesche Gehöft Nr. 39 (cf. Gemeinde-Acten, Heft „Feuerkasse“ Actenstück de 1798). Das Thor war zwischen der Gemeindeschenke (=Nr. 33) u. dem Dorfhirtenhaus (=Nr. 32). Die Gehöfte in der heutigen sogen. Gnaudauer Straße nannte man 1798 „Das Dorf“ (cf. Gemeinde-Acten).
Hans Voigt (K R. 1606) wohnte in der Neustatt (cf. sub Hof 22 (3); vgl. Claus Bischof †
1612; vgl. Wwe des Hans Thielecke Hof 41; Ehe die Ackergehöfte der Neustatt gegründet wurden, hat die Gemeindeschmiede hier als ein vollständig isolirtes Gehöft gelegen.
Einen großen Brandschaden hatte der Schmied im Gehöft 37 1632 erlitten, um dessentwillen ihm am 27. Juni 1632 von der Gnädigen Herrschaft die Steuer (=1/10 als „Abzug“) von der Gerade seiner † Frau erlassen wurde. Ob die Feuersbrunst durch die Soldaten bei der Plünderung am 6. Januar 1632 verschuldet war? Mit der Schmiede scheinen 1632 die übrigen Gehöfte der Neustatt nicht abgebrannt zu sein, denn Hof 41 scheint bis 1636 unversehrt gewesen zu sein. (cf. Hof 41) Aber zwischen 1636 u. 1640 scheint die Neustatt abgebrannt zu sein. Im Salbuch 1654 werden „für die Neustätter (=Hof 38-41)“ in Sa. 6 Morgen Acker ausgewiesen, ohne daß sie namhaft gemacht werden. Die Neustatt scheint abgesehen von der Schmiede 1654 noch nicht wieder aufgebaut gewesen zu sein. Allmählich entstanden dort wieder 4 Kossatenhöfe (excl. Schmiede); immer hat sie vermutlich 4 Kossatenhöfe (excl. Schmiede) gehabt.
Unbekannt ist, wer vor dem 30 j. Kriege den Acker besaß, der nach dem 30 j. Kriege an die Höfe 38-41 kam abgesehen von den 1654 für die Neustätter ausgeworfenen 6 Morgen.– Zwischen Hof 37 u. 38 wird um 1600 Gartenland gelegen haben, das teils zu Hof 37, teils zu Hof 38 gehörte. Es war in alter Zeit Regel, daß hinter jeden Gehöft ein Hausgarten lag. Nur für das Gehöft 41 läßt sich der Besitzer um 1600 bestimmt aus dem Schöppenbuch bzw. K. Rechnungen nachweisen.
Die Neustatt ist schon vor dem 30 j. Kriege als „Neustatt“ bezeichnet (cf. Schöppenbuch).
Der von Jacob Schneider gekaufte Kossatenhof, den früher „die alte Vogten“ besessen hatte, lag vor dem Thor. (cf. Schöppenbuch de 1619) 1807 waren je 7 1⁄2 Mg. Dienstacker bei den Höfen Nr. 38, 39, 40, 41. Bei Hof 39 und 40 waren je 1⁄4 Hufe Pfarracker wahrscheinlich schon um 1620 gewesen. 1654 waren diese Höfe noch nicht wieder aufgebaut u. jener Acker kam wieder an die Pfarre zurück, wurde aber später an diese Höfe wieder überlassen, nachdem sie neugebaut waren. Hof 38 u. 41 erhielt vielleicht den Acker, den 1694 Christian Schmidt besessen hatte.
Die alte Gutsschmiede Außer der Gemeindeschmiede gabs eine Gutsschmiede („Der Kleinschmied vom Schloß“ KR. 1588); (der 1649 (KR.) erwähnte Schmied Hans Deichfass war nicht Gemeindeschmied); (im Personenverzeichnis 1674 ist der „Reitschmied“ vom Schloß erwähnt). In der Schloßschmiede sind in frühern Zeiten vermutlich Panzer für die Ritter u. ihre Gefolgschaft angefertigt; alte Panzer hatten vor dem 30 jährigen Kriege noch mehrere Bauersleute (cf. Schöppenbuch); Ackerpferde und Geschirre hielt das Gut auf den Schlosse in alten Zeiten nicht, da die Bauern den Acker desselben bestellen mußten. – Um 1600 scheint der Schloßschmied zugleich der „Schlosser“ gewesen zu sein. – Die Bauern waren seit alters nicht gezwungen, bei ihm arbeiten zu lassen (cf. Gemeinde-Archiv Heft „Schmiede“ Actenstück de 1724).
Wo die Gutsschmiede stand? Wahrscheinlich, wo das jetzige Haus mit der Nr. 156 steht, da
Spuren einer alten Schmiede hier vorhanden waren, als es neu gebaut wurde. (Zeitgenossen-Bericht).
Der Münzmeister Hennig (=Heinrich?) Wedde, der hier 1622 starb, benutzte vermutlich die
Gutsschmiede, um Münzen darin zu prägen. Eingegangen ist die Gutsschmiede im 18. Jahrh.; den Meister Jacob Hermann, Gutsschmied hier (T. R. 1721, 20), halte ich für den letzten „Gutsschmied“.

Die Gemeindeschmiede (=Hof 37)
Sie ist älter als die Gehöfte Nr. 38-41 u. stand vor deren Gründung isolirt.
Die Gemeindeschmiede befand sich bis um 1856 an der Südostecke des Hofes 37; vor ihrer Thür lag der sogenannte „Schmiedeberg“, eine Aufwurf aus alter Zeit zur Befestigung des Dorfes jetzt ein zu Hof 37 gehöriges Gärtchen.
Um 1562 war in Süldorf die Schmiede Eigentum der Kirche, welche daraus Hauszins erhielt. (Magd. K. Visit. Protoc. 1562/4). Im Jerichower Kreise stand um 1562 die Kirche oder Pfarre vieler Orten in Beziehung zur Schmiede. In Büden that die Kirche das Schmiedezeug jährlich um 6 Schffl aus; do Cörbeitz-Woltersdorf; in Dretzel wurde 1 Hufe Land samt Wiesen „zum Hufschlag“ vom Pfarrers gebraucht; in Schartau hat die Kirche eine Wiese, die in den„ Hufschlag“ gehört (Magd. K. Visit. Protoc. 1562/4 III).
[ – Gleich dem Diebstall in der Kirche wurde die Beraubung am Pflug sowie in der Mühle
besonders streng bestraft. (Sachsenspiegel II, 13)].
Ich urteile daher, daß im Mittelalter die Schmiede infolge Herkommens aus heidnischer Zeit überall mit der Kirche bzw. Pfarre in Verbindung gestanden hat, dieses Verhältnis aber allmählich gelöst wurde, und zwar schneller im linkselbischen, als im rechtselbischen Gebiet, in welch letzterm sich überhaupt alter Brauch länger erhalten hat.
Die Weibersitze für die Schmiede haben nach dem J. 1370 hinten an der Nordmauer gelegen, wie für die übrigen Gemeindehäuser.
Zur hiesigen Schmiede gehörten 1654 7 1⁄2 Mg., die einst der Schmiede pachtlos überlassen waren von der Kirche, als sie von dieser abgetrennt wurde (vgl. Materialiensammlung S. 259, Anm.) In den Kirchrechnungen ist eine Pachteinnahme für jene 7 1⁄2 Morgen nicht verrechnet.

KV. 1588
(1) Matthias Dota zinste 1585-1590 für 1⁄4 Hufe Kirchenacker; außerdem gehörten „zur
Schmiede“ infolge uralten Verbindung mit der Kirche 7 1⁄2 Mg. Acker, die 1370 der Kirche
zugeteilt waren u. für welche die Schmiede einen Zins nicht zu zahlen hatte. Das
Schmiedegehöft selbst hatte einst der Kirche gehört. Sie war samt 7 1⁄2 Mg. zinsfreiem
Kirchenacker Privat-Eigentum geworden.

(2) Hans Kopp ~ ... Burchardt, Tochter des Kossathen Achim Burchardt (cf. sub Hof 36)
„ Grobschmied“ 1602 genannt, zinst für 1⁄4 Hufe Kirchenacker 1591-1602. Sein Bruder
Gotthardt Kopp Schmiedegesell hier 1597, zahlt 1598 der von ihm geschwängerten Anna
Rehbock aus Kl. Mühlingen 11 Thaler; er quittirt am 20. Novbr 1602 seinem Bruder Hans, als Bürger in Neustadt-Magdeburg, daß er von ihm die Hälfte des väterlichen Erbes empfangen hat. Hans Kopp verkaufte seine hiesige Schmiede an Lüdecke (3) und zog nach Förderstedt, wo er 1621 noch am Leben war, in welchem Jahre er sich durch Quittung lossagt von den Erbansprüchen seiner Frau an Hof 36.

KV 1607.1615
(3) Hans Lüdecke * 1562, † 1637, 75 J. alt, (wohl identisch mit Hans Lüdecke, der am 12.
Decbr 1602 in Eickendorf Schmied war) ~ 1591 Margarete Aschenborn * 1570 † 1640 70
Jahre alt, aus Calbe, aus dem alten Geschlecht der Schröders in Calbe. Im J. 1609 hatte er den Kaufpreis für die Schmiede an deren frühern Besitzer Kopp voll bezahlt. – Für 7 1⁄2 Mg. Acker scheint er Zins an die Gemeinde gezahlt zu haben. Der in geleisteter Schmiedearbeit bestand. Er zinst 1603-1632 für 1⁄4 Hufe Kirchenacker. – Er wurde 1605 Schöppe und 1619 Richter als welcher er 1627 abdankt. – Er bezahlte bis 1611 1⁄4 Hufe von Burchardts (auf Hof 24 c). – Er kaufte einen „Kossathenhof mit Garten“, den er an Frau Körnisch 1619 voll bezahlt hatte. (Vielleicht ist dieser Kossatenhof identisch mit Hof 10.) Aus der Größe des Grundstückes der Schmiede läßt sich nichts folgern, denn auch die
Schenke hatte einen großen Garten. 1632 erlitt der Schmied einen großen Brandschaden.
Anna Nagel verehelichte Hans Schmidt auf Hof 12 b und dann verehelichte Martin Harzgerode (Hof 12 b) wird 1619 als „Pflegetochter“ des Hans Lüdecke bezeichnet. (er war
1611 deren „Vormund“ geworden, weshalb sie wohl seine Pflegetochter 1619 heißt)
Ü ber Hans Lüdecke hat sein Sohn, der Richter Lüdecke auf Hof 24, in das Schöppenbuch
eingetragen: „Er starb in Calbe nach 46 j. Ehe, 75 J. alt, wohin wir wegen der beschwerlichen Kriegszeit zogen. Mag. Sebaldus piae memoriae begrub ihn; Leichentext: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Seine Wittwe Marg. geb. Aschenborn starb in Calbe 1640; sie stammte aus dem uralten Schröderschen Geschlecht in Calbe; sie starb 70 Jahre alt; ihre beiden Söhne Jacob und Hans haben sie dort begraben lassen. Haec in memoriam parentum scripsit Hans Lüdecke.”
Wenn Hans Lüdecke jun. als das Sterbejahr seines Vaters 1627 (Gründonnerstag) angibt, so beruht das auf einem Versehen. Wahrscheinlich ist er 1637 gestorben, denn pro 1632 zahlte noch Hans Lüdecke sen. den Ackerzins an die Kirche für 1⁄4 Hufe u. die Flucht der hiesigen Dorfbewohner erfolgte erst nach Sexag. 1636.
Kinder des Schmiedemeisters Hans Lüdecke:
1. Hans Lüdecke; ~ 1620 Wwe Bertram geb. Nagel auf Hof 24; er heirathet sich in den Hof
24 hinein. Er hat 100 Thaler Mitgift von seinem Vater, welche bei Andreas Knoche (Hof
4 b) stehen; seine Mutter giebt ihm mit: 1 Kuh, 10 Schafe, 1 Bett, 1 Hauptpfuhl, 1 Kissen.
1 Paar Bettlaken, 1 Tischlaken, 1 Handquele. Sein Vater richtet die halbe Hochzeit aus.
(cf. sub Hof 24)
2. Jacob Lüdecke erhält die väterliche Schmiede. (4)
3. Schwester ~ Georg Lusau in Calbe, ein Schwager des Hans Schmidt (=Hans Lüdecke?)
Nachdem Hans Lüdecke die Schmiede an seinen Sohn Jacob abgegeben hatte, hat er noch 1⁄4 Hufe K Acker zur eigenen Bewirtschaftung behalten, bis dieselbe 1633 an den Schmied Jacob Lüdecke kam.

KV 1629. do 1634
(4) Jacob Lüdecke; ~ ... geb. Reichel aus Calbe, tot 1632. Ihre Gerade erhält am 27. Juni 1632 ihre Mutter, die mit dem Gerichts- und Landschöppen Reichel in Calbe verheirathet war u. Magdalene geb. Krappe hieß. Zur Gerade gehörte 1 schwarzüberzogenen und weiß
verbrämter Pelz.
Die hiesige gnädige Herrschaft erläßt den „Abzug“ (=1/10 des Taxwerthes), als die Gerade
nach Calbe verabfolgt wurde, wegen des großen Brandschadens des Jacob Lüdecke. Ob die Schmiede durch Soldaten am 6. Januar 1632 eingeäschert war gelegentlich ihrer damaligen Plünderung u. mit ihr zugleich die Neustatt? 1632 gab J. Lüdecke Scheunenzins für Benutzung der K Scheune. Jacob Lüdecke zinste 1633-1635 für 1⁄4 Hufe Kirchenacker; 1640 ist er in Calbe Hufschmiedemeister (cf. sub (3), danach ist er hier nicht wieder mit Namen erwähnt; der Dorfschmied wurde im Dorf „Schmied“ genannt.
1654 hat „die Schmiede“ 7 1⁄2 Morgen Acker; er war 1370 Kirchenacker gewesen und „zur
Schmiede“ gelegt. Als Lehen seitens der Gemeinde, nachdem diese die Schmiede von der
Pfarre bzw. Kirche als Eigentum überlassen. Es ist fraglich, wie der Schmied 1654 hieß; Ob Anna Lüdecke ~ Caspar Pietscher späterer Hofmeister auf Hof 24 eine Tochter des Schmiedes Jacob Lüdecke war? 1678 wurde Meister Christian Lüdigke, Hufschmied, der nachgelassener Sohn des Meisters Jacob Lüdigke Bürgers und Hufschmiedes in Calbe (s. Bürgerliste von Calbe 1676). Er ist ein Sohn oder Enkel des sub 14 genannten Jacob Lüdeke, der 1638 in Calbe ansässig war.

KV 1662.
(5) Martin Ludwig (1659 erwähnt in der K R.) tot 1680 ~ ca. 1658 Marie Schmidt † 1682
(Pest) (T. R. 1677, 1) (=Lüdecke?) Ob er identisch ist mit dem 1656 erwähnten „Meister
Martin, Schloßschmied“ u. sich dieser in die Dorfschmiede eingeheirathet hat?
Kinder:
1. ein Söhnlein * ...; † 1659.
2. Anna Liese * ...; ~ 1680 (6)
3. Christian * 1661. –
4. Tochter * 1664.
5. Marie * 1666; Magd auf dem Schloß 1692; ~ 1693 Chr. Bone aus Pömmelte.
6. Susanne * 1669;
7. Adam Christoph * 1671
8. Magdalene * 1674
9. Johann August * 1677.
In der Pest 1682 stirbt 1 Söhnlein (Nr. 7 oder 9) und ein Schulknabe.
Martin Ludwig zinst 1658-1671 für 1⁄4 Hufe Kirchenacker.

(6) Christoph Voigt † 1682 (Pest) „Dorfschmied“ ~ 1680 Anna Liese Ludwig. Er war vor
1682 Schloßschmied.
KV 1684. 1699.
Wwe Voigt geb. Ludwig † 1688 ~ 1684 Hans Bauermeister † 1720 63 J. alt aus Ditfort.
Wwr Hans Bauermeister ~ 1688 Anna Olhoff, Kossathentochter aus Neundorf.
Wwr Hans Bauermeister † 1720 63 J. alt ~ 1716 Wwe Susanne Bauermeister † 1723? oder
verzogen 1723? geb. Gummer, Wittwe des † Ackermannes Joachim Bauermeister in Biere.
Bauermeister war 1680 „Reitschmied“ auf dem Schloß (T. R. 1680, 8); er starb 1720 als
„ Schmied und Kossath“. Seine letzte Frau ist im Sterberegister nicht genannt, denn die 1776 gestorbene „alte Bauermeistern“ ist lt. K. Stuhl-Register die Wittwe des Häuslers und
Schuhmachermeisters Bauermeister gewesen. Die Kirchenstühle der Frau Schmiedemeister Bauermeister Nr. 83. 85 (ursprünglich wohl zu dem Hof 12 b gehörig gewesen, den nach 1654 das Amt kaufte) wurden 1723 gelöst; wahrscheinlich war sie verzogen. – Die Schmiede hielt die Gemeinde 1692 nicht in baulichen Stand. (cf. Bericht des Pastors G. Reinecke de 1692). Die Schmiedegerechtigkeit wurde von der Gemeinde vermutlich gegeben, aber der Schmied war verpflichtet zu bestimmten unentgeltlichen Leistungen (etwa Hufbeschlag).
Kinder:
I. Ehe Voigt ~ 1680 geb. Ludwig
1. Hans Christoph * 1680; † 1682 (Pest)
2. Johann August * 1682; † 1683.
II. Ehe Hans Bauermeister ~ 1684 Wwe Voigt geb. Ludwig
3. Margarethe * 1684; ~ 1702 Worms, Schmied in Tornitz.
III. Ehe Wwr Hans Bauermeister ~ 1688 Olhoff
4. Susanne * 1690.
5. Hans Heinrich * 1695; Prediger in Nutha; ~ Sophie Margarete (T. R. 1739, 4). Er
war 1720 stud. theol. (T. R. 1720, 24) (dsgl. 1721, 10); cand. theol. (T. R. 1724, 16;
im T. R. 1727, 5 ist er frater (des Hans Caspar Bauermeister (7)) genannt. Ein Onkel
war Pastor in Bleckendorf (T R. 1739, 4).
6. Hans Caspar * 1702; ~ 1726 (7)
IV Hans Bauermeister ~ 1716 Witwe Bauermeister geb. Gummer
Die Ehe ist kinderlos.

KV 1728, 1731
(7) Meister Johann Caspar Bauermeister * 1702 † 1775 ~ 1726 Anna Eichel * 1706, † 1785, Vollspännertochter aus Hof 4 a.
Er wird 1726 (T. R. 1726, 2) „Schmied und Ackermann“, 1729 „Schmied und Kossath“
genannt. Er erwirbt 1730 das Kossathengut 31 mit ca. 38 Mg. u. bezahlt 150 Thaler darauf
ruhende Schulden an die Kirche. Die Weiber-Kirchensitze zu Hof 31 nutzte seitdem die Frau des Schmiedes Bauermeister. Daß er 2 mal Kirchvater wurde, erklärt sich daraus, daß er außer der Schmiede mit 7 1⁄2 Mg. den Hof 31 erwarb.
Kinder:
1. Johann Samuel * 1727; ~ 1763 (8)
2. Anna Auguste Magdalene * 1729; ~ 1752 Freisasse Nagel auf Hof 1.
3. Johann Christian * 1731; Stallmeister (=Inspector) in Ballenstedt (Sintenis Acc.
Buch 1773, 35); er borgt 1795 der K Kasse 400 Thaler zum Kirchbau (cf.
Eintrag im Stuhl-Reg. de 1726 und 1796 ff.); gestorben ledig 1813;
4. Johann Peter * ...; † 1738.
5. Johann Peter Joachim * 1734; † 1757.
6. Johann Gottfried * 1737; † 1737.
7. Anna Sophie Margarete * 1739; ~ 1761 Wwr Vollspänner Richter in Felgeleben.

KV. 1767
(8) Johann Samuel Bauermeister * 1727, † 1812 ~ 1763 Anna Dorothee Pietscher * 1745,† 1821, Vollspännertochter aus Hof 24. Er ist „Gemeindeschmied, Ackermann und
Doppelkossath. Er besaß (37 Mg.) den Kossathacker der einst zu Hof 31 gehört hatte, seit
1730; ferner hatte er 1776 oder wenige Jahre zuvor das Gehöft 11 erworben, jedoch ohne die zugehörigen 1⁄4 Hufe Acker. (Sintenis, Accid. Buch 1776, 16; 1796, 26); wenn Sintenis ihn im Acc. Buch 1776 „Ackermann“ nennt, so kommt dies wohl daher, daß er zur Bewirtschaftung seine Kossathenäcker und seiner Wandeläcker 1 oder 2 Pferde hatte. – Er nahm einen Waisenknaben aus Hof 1 1804 in Erziehung.
Kinder:
1. Johann Daniel David * 1767 Junggesell Daniel Bauermeister, Schmiedegesell hier
(Tauf. Reg. 1815, 9, Pathe). Er borgte der Gemeinde 180 Thaler in der Franzosenzeit resp.
Freiheitskriege.
2. Johann Andreas Christian * 1769; ~ 1800 (9)
3. Zwillingssohn *…; † 1772.
4. Johanne Sophie Margarethe * ...; ~ 1798 Gastwirth J. Daniel Schumann in Dessau
„ rothes Haus“ (T. R. 1790, 15)
5. Johann Christian August * 1775; Musikant in Thorn (Sintenis Acc. B. 1805, 8)
= “4. Sohn” (Sintenis Acc. Buch 1775, 48), 1818 Essigfabrikant in Dessau.
6. Johann Andreas Gottfried * 1779; Kaufmann in Belzig; ~ 1807 Wwe Henecke in Belzig.
Er schuldet an die F. Kammer zu der 1760 repartirten Kriegscontribution (I, 130)
Weihnachten 1775 immer noch 5 Thaler.

KV. 1802.
(9) Johann Christian Andreas Bauermeister * 1769, † 1847, Er verborgte im Oktober 1806 an die Gemeinde 125 Thaler welche diese zur Befriedigung der Franzosen verwandte. (cf. Gemeinde-Acten: Franzosenzeit) ~ 1800 Marie Catharine Schmidt, Ackermannstochter aus Kl. Mühlingen † 1841, 64 J. alt. Er heißt 1801 „Eigentumsschmied“ Huf- und Erbschmied (Sintenis Acc. Buch 1881, 16) (cf. btr. Schmiedezins sub (10)). Die Bezeichnung „Eigentumsoder Erbschmied läßt darauf schließen, daß dem Schmied die Schmiedegerechtigkeit von der Gemeinde überlassen wurde. Wahrscheinlich verpflichtete er sich dabei, gewisse Leistungen (etwa den Hufbeschlag) unentgeltlich zu besorgen. Denn in den Gemeinderechnungen früherer Zeiten findet sich eine Einnahme aus dem Schmiedezins nicht. Erst um 1800 ist er von solchen Verpflichtung entbunden, wohingegen er Schmiedezins von jährlich 30 Thaler auf sich nahm. (cf. btr. Schmiedzins sub (10)). Er ist 1801 im T. R. als „Hufner“ und 1807 wegen Hof 11 als „Doppelkossath bezeichnet. Er baute 1838 das jetzige Haus lt. Inschrift; am Südgiebel war die Schmiede.
Zum Hof 37 gehörten 1807: 17 1⁄2 Mg. Freiacker u. 45 1⁄2 Mg. Dienstacker Sa. 63 Morgen. 1654 bei der Schmiede 7 1⁄2 Mg. 1730 von Hof 31 37 1⁄2 Mg. vor 1806 erworbener Wandelacker 17 1⁄2 Mg. Sa. 62 1⁄2 Mg.
Kinder:
1. Joh. Christ. Wilhelmine Beate * 1801; ~ 1827 Häusler Tischler Samuel Wilh. Krüger in
Hof 11.
2. Johanne Dorothee Elisabeth * 1803; ~ 1843 Bahn- und Brückenmeister Schleising an der Berlin-Anhalter Eisenbahn bei Dessau.
3. Johann Christoph Friedrich August * 1805; † 1807.
4. Johann Christian Anton * 1807; † 1813.
5. Christian August Daniel * 1810; † 1811.
6. Johann Friedrich Jacob * 1810; † 1811.
7. Friedrich Christian August * 1812; ~ 1841 (10)
8. Ludwig Carl Friedrich * 1815 Das Bauermeistersche Legat bei der Gemeinde beträgt 200 Thaler, die 1861 an die Gemeinde fielen, es werden die Zinsen zu Armenunterstützungen verwandt. Es stammt von Daniel Bauermeister, der als Rentier in Dessau 1861 starb.
9. Johanne Auguste Luise * 1818 ~ 1841 Herm * 1816, Erbpachtsschenke in Brumby,
Ackermannsohn aus Glöthe.

(10) Friedrich Christian August Bauermeister * 1812, † 1898 ~ 1841 Wwe Anna Dorothee
Fuhrmann geb. Bungenstab † 1860, Ackermannstochter aus Zens; deren verstorbener Mann hatte Hof 9 und die Gemeindeschenke besessen. Der Acker von Hof 9 kam an die Schmiede 7 1⁄2 Mg. Kirchenacker. Das ackerlose Gehöft 9 verkaufte F. Bauermeister, dsgl. die Gemeindeschenke, nachdem er sie eine Zeit lang administrirt hatte. (Amtsacten 1841.).– 1841/2 wurde dem Nagel (Freisassensohn aus Hof Nr. 2) auf Befürwortung durch Amtsrath Schlieckmann gestattet, eine 2. Schmiede zu bauen (im jetzigen Hause Nr. 158) – 1849 ff hatte Bauermeister, der mehr Landwirth als Schmied war, einen Schmiede-Werkführer; um 1856 baute er eine Schmiede in seinem Garten, um sie nicht mehr im Hause zu haben (=das jetzige Haus 112, das nach 1870 in die jetzige Bäckerei umgewandelt wurde), und verkaufte sie an den Schmied Meyer. Der Schmiedeberg blieb jedoch bei Gehöft 37 u. ist zu einem Garten gemacht.
Als das Dorf eine städtische Verfassung erhalten hatte 1850, wurde Bauermeister zum
„ Bürgermeister“ gewählt. Er eignete sich jedoch nicht recht zu diesem wegen der damaligen Separation schwierigen Amte, weshalb bald darauf, schon 1850 Meissner (auf Hof 23)„ Bürgermeister“ wurde. Im Jahre 1855 wurde Bauermeister „Ortsvorsteher“, als die städtische Verfassung wieder aufgehoben war, bis 1860.
Man sagt im Dorfe, der Schmiedeberg sei dem Bauermeister eigentümlich belassen, weil er die Feuerspritze geführt habe als sogen. „Spritzenmeister“. Kl. Mühlingen erhielt die 1.
Spritze 1799, Zens bald darauf (Sintenis Chron. I). Um diese Zeit wird auch Gr. Mühlingen
eine Spritze erhalten haben. In 2. Ehe heirathete Bauermeister 1860 Marie Catharine Falkenberg † 1913 in Magdeburg, Ackermannstochter aus Zens. – Er baute 1862 das Stallgebäude rechts der Thoreinfahrt. Er u. seine Ehefrau besaßen 1857 in Sa. 104 Mg, 121 Quadratruthen Acker (incl. 38 Morgen, die vermutlich von Hof 31 um 1730 gekauft war, 1⁄2 Hufe Erbpachtgrundstück vom Magister zu Gr. Salze, 1⁄4 Hufe von Hof 9 und 33 Mg. sogen. Wandelacker). Er verkaufte in Parzellen seinen Acker, als ihm 1873 ein Sohn geboren wurde, behielt aber das Gehöft 37. Nach seinem Tode 1898 verzog seine Wittwe und das Gehöft wurde vermiethet, bis es 1903 an Knopf (11) verkauft wurde. Bei der gerichtlichen Auflassung 1903 stellte sich heraus, daß 30 Thaler„ Schmiedezins“ jährlich an die Gemeinde im Grundbuch eingetragen stand, der lange Zeit vom Schmied Bauermeister nicht gezahlt war, vermutlich, weil er den Dienst an der Feuerspritze (als Spritzenmeister) leistete. Denn undenkbar ist, daß ohne irgend eine Gegenleistung die Gemeinde auf die 30 Thaler jährlich verzichtet hätte.
Nachdem sich dessen Erben mit der Gemeinde gütlich geeinigt hatten, wurde der sogen.
Schmiedezins mit Capital abgelöst (900 MK?) – Vermutlich hatte der Schmied,
Bauernmeister sub (9) der Gemeinde gegenüber sich zu einem jährlichen Erbzins von 30
Thalern für die Schmiedegerechtigkeit (vgl. S. 296) verpflichtet. In früheren Zeiten wird
dieser Zins (=Pacht) geringer gewesen sein, aber der Schmied war einst zu bestimmten
unentgeltlichen Leistungen (etwa Hufbeschlag) verpflichtet gewesen.
Kinder des Fr. Chr. A. Bauermeister:
1. Ehe ~ 1841 Wwe Fuhrmann † 1860 geb. Bungenstab
1. Christian Friedrich * 1841; † 1841.
2. Friedrich Samuel Wilhelm * 1842; † 1843.
3. Daniel Christian Gottlieb Louis * 1843; † 1853.
4. Gotthelf Friedrich Samuel * 1845; † 1845.
2. Ehe ~ 1860 M. L. Falkenberg † 1913 in Magdeburg
5. tote Tochter * 1862.
6. Joh. Marie Therese * 1862; ~ 1883 Gutsbesitzer Ferchland in Dömmitzsch. 1918
Inspektor auf Ullendorfschen Wirtschaften in Schönebeck. Deren Tochter Toni
verehelichte Ingenieur Huß, Juli 1919 in Braunschweig wohnhaft.
7. Anna Marie Hedwig * 1864; †
8. Luise Dorothee Agnes * 1865; ~ 1888 Kaufmann Curio in Magdeburg.
9. Albert Friedrich Wilhelm * 1868; † 1868.
10. Marie Wilh. Elisabeth * 1870; ~ 1896 Kaufmann Wolf in Rixdorf.
11. Friedrich Albert Gustav * 1873; Ökonomie-Inspektor in Pösigk um 1904; ~ 1906 ...;
später Ökonomie-Inspektor in Reupzig (Kr. Dessau). In derselben Stellung 1919.

(11) Christian Wilhelm Ferdinand Knopf, früher auf der Wassermühle (cf. sub Wassermühle) ~ 1882 Johanne Marie Hitzel, Schuhmachertochter aus dem jetzigen Hause Nr. 146. Er kaufte 1903 das ackerlose Gehöft 37 und betreibt auf demselben Ackerwirtschaft, teils auf eigenem, teils auf Pachtacker. Er ist zur Zeit der Pächter des Kirchenackers.
Kinder:
1. Hermine * 1883; ~ 1908 Zahlmeister-Aspirant Peschuk in Berlin.
2. toter Sohn * 1884.
3. Ferdinand * 1885; Landwirth in der väterlichen Wirtschaft; ~ 1913 Minna geb. Wille aus
Wespen, Ökonomentochter (12)

(12) Ferdinand Knopf * 1885, Landwirt ~ Minna geb. Wille aus Wespen, Ökonomentochter.
Ackerbesitz 1919 = 15,25 ha.

 

Die Ergänzungen der Familiengeschichte der einzelnen Besitzer nach dem Ende der Aufzeichnungen Friedrich Looses bis zur Gegenwart finden Sie im pdf-Dokument zum Hof. Auf dieser Seite oben.

 

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