Grossmühlingen - ein typisches Bördedorf

Hof 26

(des Planes pro 1674)
(= Nr. 20 des G. Reineckeschen Berichtes de 1674;
= Haus Nr. 48 im J. 1908).

Der Hof ist vor dem 30 j. Kriege höchstwahrscheinlich das Spanngut gewesen, welches um
1600 dem Moritz Bock (1) gehörte; 1654 wurden die zugehörigen Äcker je zur Hälfte dem
Hof 27 u. dem Hof 30 zugeteilt, so daß diese aus bisherigen Kossatengütern zu Spanngütern wurden. – Die Hofstätte 26 läßt durch ihre Größe schon annehmen, daß hier einst ein Spanngut gelegen hat.

(1) Moritz Bock (tot Januar 1598) ~ ... geb. Brösel aus Eickendorf, Schwester der 1586 † Frau des Richters P. Bertram auf Hof 24 und der Frau des Kossathen Val. Rode auf Hof 20 b. Er borgt von seinem Oheim dem Stadt- u. Landrichter Jacob Schröder in Calbe 100 Thaler zur Abfindung seiner Stiefmutter im Juni 1597.
Kinder:
1. Moritz „der junge“ (2) (ob Hans u. Andreas (cf. Hof 17) (K R. 1589) seine Brüder
waren?)
2. Tochter ... ~ Claus Bischof (tot 1612) in der Neustatt (= Hof 38-41); sie hat noch Januar
1605 am elterlichen Gut 66 Thaler 20 Gr. 10 Pf. zu fordern u. verkauft diesen Anspruch
an die Kirche für 40 Thaler im Januar 1605 (KR. u. Schöppenbuch).

(2) Moritz Bock * ca. 1577; er hat Januar 1598 einen Vormund u. ist 1599 selbst Vormund; ca. ~ 1598 Tochter des Val. Nagel † 1. Mai 1598 auf Hof 18. Er ist 1613 als Schwager der Anna geb. Nagel verwittwete Schmidt (Hof 12 a) bezeichnet. Wie es scheint, hat er sich zwischen Januar 1598 u. Sommer 15. Juni 1598 verheirathet. Seine Frau hatte 40 Thaler Mitgift erhalten; zur Ausrichtung der Hochzeit waren ihrerseits (bzw. seitens ihres Vaters) 56 Thaler beigesteuert. Nach dem Tode ihres Vaters erbte sie 1⁄2 Hufe Land, die bis dahin bei Hof 18 gewesen war, wahrscheinlich = 16 1⁄2 Mg. Acker in Kl. Ackendorfer Flur, die Moritz Bock lt. Salbuch 1654 in dieser Flur besessen hat; ferner erbte sie 1/5 von 500 Thaler, für welchen Preis ihr Bruder den väterlichen Hof 18 kaufweise angenommen hatte; endlich erbte sie einen Teil des Pfarrlehensgartens vor der Wasserpforte (Wieseke), der bei Hof 16 lag. Auch dieses Gartenstück wurde 1654 geteilt zwischen den Höfen 27 u. 30, wie das übrige Ackerbesitztum des Hofes 26. (cf. Bericht des G. Reinecke de 1692 u. Pfarrlehens-Register). Die Tageszeiten, welche des Moritz Bock Schwester verehelichte Claus Bischof mit 40 Thaler an die Kirche verkauft hatte 1605, zahlte Moritz Bock hinfort an die Kirche; bis sie im Jahre 1611 voll abgetragen waren an die Kirche ratenweise (KR. 1605/11).– Er wurde auf dem hiesigen Gerichtstage 1626 vom Pfandmann Hennig wegen Pfandgelder verklagt, war also schon vor dem 30 j. Kriege arg verschuldet. Kirchenvater ist dieser Moritz Bock nicht gewesen; 1634 schuldete er der Kirche 4 Thaler 12 Gr. für Hafer (K R. 1634 letztes Blatt).
Lt. Salbuch 1654 besaß Moritz Bock im Sa 1101⁄2 Mg. Acker (94 Mg. in Gr. Mühlinger u. 16
1⁄2 Mg. in Kl. Ackendorfer Flur). Cl. Bischof erhielt von der Kirche 27 fl. 9 Gr. und 34 fl. 6 Gr. (cf. KR. 1604/5 u. 1605/06).
Die Kirche erhielt von Mor. Bock 1605 1611 in Sa 55 fl. 15 Gr. Ferner die Ernte von 1 Mg.
Roggen u. 8 Schl. Roggen (cf. KR. 1605/11). (Moritz Bock, der 1615 einen der neu eingerichteten 5 Kirchsitze (vermutlich auf der untern westlichen Empore) für 1 Thaler kaufte, ist anscheinend der Besitzer von Hof 26. Erben des Moritz Bock, welche 1654 das Spanngut Nr. 26 hätten annehmen können, scheinen nicht vorhanden gewesen zu sein, so daß das Amt die Äcker verteilte an Hof 27 u. 30. Das ackerlos gewordene Gehöft 26 bezog Jütrichau (3).

(3) Nickel (=Nicolaus) Jütrichau (=Jeterjo, Jeterjahn) ~ Susanne ... (KR. 1632). Er war bereits 1632 hier wohnhaft als kleiner Kossath oder Mietsmann. Er zinst 1652-1672 für 1⁄4 Hufe Kirchenacker, die früher bei Hof 21 gewesen waren. Andern Acker hatte er 1654 nicht. Anna Susanne Nickels ist Küchenfrau 1661 beim Visitations-Essen (KR.).
Kinder:
1. Moritz * ...; † 1660
2. Bertha * ...; ~ 1670 (4)
3. Susanne * ...; ~ 1665 Wwr. Hans Zimmermann aus Calbe, Kossath auf Hof 40.

(4) Martin Chrph. Straube (=Teffel Stroh) (TR. 1675, 10) aus Bilrode b/Eisleben ~ 1670
Bertha Sabine Jütrichau. Eine Schäferknechtfamilie wohnt bei ihm 1674 zur Miete. Er zinst
für 1⁄4 Hufe K Acker, die 1681 an Hof 11 kommt. (= Gerichtsdiener Stroh 1696?)
Kinder:
1. totes Kind * 1671.
2. Joachim Christian * 1672.
3. Michael Paris * 1675 ~ ca. 1705. Ihm wird 1706 u. 1709 ein Kind geboren. Er erhielt
seinen Namen nach dem hiesigen Kornschreiber, der Gevatter stand 1675.

(5) Vermutlich Zimmermstr. Georg Specht; er kaufte 1701 2 Frauensitze, besaß also ein altes Gehöft, zu welchem 2 Kirchen-Frauensitze gehörten.
Kinder:(wahrscheinlich)
1. Georg Specht, tot 1735, Einwohner u. Zimmermstr. ~...; tot 1720; ~ 1720 Anna Harms† 1767; (~ 1735 Maurer Joh. Andreas Böttcher † 1732); sie besaß Weibersitz Nr. 65 u. 66.
Kinder:
2. Joh. David Specht * 1721, Weber in Eickendorf ~ 1743 Wwe. Marie Weber;
3. Magdalene Catharine * 1725 † 1725.
4. Anna Magdalene Specht * ...; ~ 1707 Rosch (6)

(6) Georg Christian Rosch, eines Hüfners Sohn aus Turau; ~ 1707 Anna Magdalene Specht. Er ist im Tf.-Reg. 1716, 21 Kossath genannt, besaß also Kossathenacker (vielleicht
pachtweise von Hof 16). Er zog noch 1716 nach Zabitz, wo er 1731 Kossath war ,(Tf. Reg.
1731, 4)
Kinder:
1. Johann Peter * 1708; Schuhmachermeister hier ~ 1731 Nöhring, Schustertochter aus
Förderstedt.
2. Johann Peter * 1716.

(7) Paul Schneidewind scheint eine Zeit lang den Kossathenacker von Hof 26 bewirtschaftet pachtweise? zu haben, da er T.R. 1720, 1721 „Kossath“ genannt wird. Er war 1717, 1723 ff.„ Häusler“ u. starb als solcher 1723. Es ist fraglich, ob er das Gehöft 26 eigentümlich besaß.

(8) Johann Georg Schumann, * 1729, † 1800, Kossathensohn aus Hof 9; ~ 1755 A. M.
Schneidewind, * 1730; † 1807, Kossathentochter aus Hof 21. Er erhielt von seinem Vater
1755 Gehöft 9 mit seinem Acker = 1⁄4 Hufe Kirchenacker, während sein Vater Schenke wurde in dem heutigen Gasthof zum goldenen Löwen. Um 1768 bezog J. G. Schumann jun. das Gehöft 26, während das Gehöft 9 an Otto verkauft wurde. Die Pfarrlehensabgabe von Hof 9 nahm er mit sich nach Hof 26, bei dem sie bleibt. Nach dem Tode seines Schwiegervaters Schneidewind † 1780 erbte seine Frau dessen Hof 21, so daß er fortan „Doppelkossath“ war. 1⁄4 Hufe Kirchenacker, früher bei Hof 9, kam an Hof 26.
Kinder :
1. Joh. Cath. Elisabeth * 1756; ~ 1778 Kossath Schumacher Joh. Andr. Finke (Hof 13 b)
2. Christian David * 1759 † 1760.
3. Marie Sophie * 1760; ~ 1788 Ackermann Nettelbeck in Salze.
4. Anna Auguste Magdalene * 1763; † 1773.
5. Johanne Juliane Sabine * 1766; ~ 1796 (10)
6. Marie Catherine * 1769; ~ 1800 Schneider Matthies in Magdeburg.
7. Catherine Margarethe * 1771; ~ 1797 Schneider Schulze in Schönebeck.
8. Eleonore Dorothee * 1775; ~ 1799, Kossath Bäthge auf Hof 21.

KV 1798
(9) Kossath Andreas Peter Schmidt † 1844, 761⁄2 J. alt, Schäfersohn aus Walternienburg,
bisher hiesiger Amts-Schafknecht; ~ 1796 Joh. Juliane Sabine Schumann, * 1766, † 1840, 1⁄4 Hufe Kirchenacker er ist bei Hof 26, wie vorher. Zum Hofe gehörten 1807 7 1⁄2 Mg.
Dienstacker.
Kinder:
1. Marie Sophie Rahel * 1797; † 1797.
2. Joh. Gottfried Conrad * 1798; † 1805.
3. Marie Dorothee Elisabeth * 1801; ~ 1821 (10)
4. Cath. Dorothee Elisabeth * 1804; †1812.
5. Justine Marie Elisabeth * 1808 † 1809.

KV. 1828
(10) Kossath u. Handelsmann Wwr. Joh. Peter Hansen † 1867 ~ 1821 Marie Dorothee
Elisabeth Schmidt † 1854. (Ob er mit dem früheren Gemeindebäcker Hansen verwandt war?) Er zinst für 1⁄4 Hufe K. Acker. Er war in früherer Ehe verheirathet gewesen mit Eleonore Elisabeth geb. Kersten. Er hatte auf seinem Hof 26 eine Ölmühle, die mit Pferdekraft getrieben wurde.
Kinder des J. Peter Hansen:
I. Ehe Hansen ~ Kersten
1. Dorothee Elisabeth * 1816 in Bahrendorf; ~ 1840 Schiffer Jänecke in Schönebeck; ~ 1861 Wwr. Samuel Knopf, aus Biere gebürtig, hiesiger Zichoriendarrbesitzer u. Kossath im
jetzigen Hause Nr. 75.
II. Ehe Hansen ~ 1821 Schmidt
2. Levin Andreas Julius * 1822; Müller; ~ 1852 Schiesewitz, † 1866, Kossatentochter aus
Eickendorf; ~ 1867 Wwe. Weber geb. Meyer im jetzigen Hause Nr. 120.
3. Friedrich Jacob * 1824; † 1853 ledig.
4. Euphrosyne Elisabeth * 1827, † 1909, ~ 1853 Maurer Blumenthal in Randau, † 1901,
später Besitzer des jetzigen Hauses Nr. 69.
5. toter Sohn * 1834.
6. Jacob David * 1839; Zuckersiedemstr. in Welsleben (im J. 1909) † 1918.
7. Samuel Christian August * 1841, Gelbgießermstr. in Calbe 1909.
Zum Hof 26 gehörten 1846: 7 1⁄2 Mg. Dienstacker, eine Weidenkabel u. 1 Mg. Wandelacker (= 9 Mg. 89 Quadratruthen 1857).

(11) Vollspänner Christian Becker † 1867, 69 J. alt auf Hof 30 kaufte 1858 Hof 26 mit seinem Acker u. den darauf lastenden Abgaben. Er bewohnte Hof 30.

(12) Ökonom Andreas Jacob Georg Becker * 1852 in Wohlsdorf erbte das Gehöft 26 von
seinen Eltern Chr. Becker auf Hof 30. Er erhielt von diesen auch ca. 45 Mg. Acker; ~ 1884
Anna Em. Dorothee geb. Sigmund, Ökonomentochter aus Stemmern. Er kaufte 1907 ca. 12 Mg. Acker, die bis dahin Bäckermeister Michaelis im jetzigen Hause Nr. 138 besessen hatte.
Kinder:
1. Carl Andreas Walter * 1886; Landwirth ~ 1912 E. M. L. Röseler in Eggersdorf, wurde
Landwirt in Eggersdorf.
2. Ernst Willy * 1889; Landwirth.
Andreas Becker kaufte im Oktober 1913 den Hof 29 mit den noch dazu gehörigen 22 Morgen Acker (wie man sagt, für 44000 MK), weil ihm sein Hof 26 nicht genügend große Grenzen hat.

 

Die Ergänzungen der Familiengeschichte der einzelnen Besitzer nach dem Ende der Aufzeichnungen Friedrich Looses bis zur Gegenwart finden Sie im pdf-Dokument zum Hof. Auf dieser Seite oben.

 

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